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travel: Road Trip Rom��nia

“Road Trip Rom��nia” you say? Now, what’s that supposed to mean?
I’m sorry, that doesn’t ring a bell at all!
Maybe I can interest you in the trip down here?
No!? Oh come on, I really don’t know what “Road Trip Rom��nia” is.

  • Dom von Helsinki
    Dom von Helsinki
  • Grenzübergang Virolahti
    Grenzübergang Virolahti
  • Sowetski (Советский)
    Sowetski (Советский)
  • Winterpalais (Зимний дворец)
    Winterpalais (Зимний дворец)
  • Auferstehungskirche
    Auferstehungskirche
  • Schloss Peterhof (Петергоф)
    Schloss Peterhof (Петергоф)
  • Hermannsfeste (Hermanni linnus)
    Hermannsfeste (Hermanni linnus)
  • Lehmpforte (Viru värava)
    Lehmpforte (Viru värava)

Um den Finnischen Meerbusen

bike Baltikum Ostsee Hanse

von Lutz Gebhardt

Der Fährbetrieb zwischen Deutschland und Finnland ist Anfang September schon eingestellt, so bringt ein Flugzeug Christoph Hoffmann, Dennis Gebhardt und Dr. Lutz Gebhardt in die finnische Metropole.

Fast 30 km sind es bis ins Zentrum Helsinkis. Hoch oben auf einem Hügel thront der Dom, zu dem eine beeindruckende Treppe führt. Das nach Plänen von Carl Ludwig Engel errichtete Bauwerk wurde 1852 fertig gestellt und ist das bekannteste Wahrzeichen der Stadt. Unweit davon befindet sich der Fährhafen und ein Stückchen weiter sind Schiffe der finnischen Eisbrecherflotte vertäut, die zu den größten der Welt zählt.

Porvoo ist nicht nur die zweitälteste Stadt Finnlands, sondern auch ein wunderschönes Städtchen mit malerischen Holzhäusern. Ein schönes Straßencafé lädt zum Verweilen ein. Während die Jungs ihren Lastern frönen, lasse ich mir als 2. Frühstück einen Kakao und ein Stück Kuchen munden. In Hamina beeindruckt die von 1801 bis 1811 erbaute und gut erhaltene Zentralbastion, in der heute kulturelle Veranstaltungen abgehalten werden.

Quollen in Finnland die Wälder von Pilzen nur so über, dass man jeden Abend versucht war, ein Pilzgericht zu bereiten, sind jetzt in Russland die Wälder ratzeputz leergesammelt. Hier türmen sich die Pilze am Straßenrand, sauber aufgeschichtet an mobilen Verkaufsständen, hinter denen eine Babuschka sitzt und die Schätze des Waldes feil bietet.

Wyborg (Выборг) mit seiner beeindruckenden Burg ist die erste Station auf russischem Boden. Hier müssen wir Rubel eintauschen, denn im täglichen Leben ist der Euro hier wertlos. Der erste Anlauf scheitert, da die Kasse um 16 Uhr bereits geschlossen hat. Der nächste Versuch ist erfolgreicher: Das „red house“, zu dem man uns in gutem Englisch schickt, finden wir schnell. Bis Sowjetzki (Сове́тский) sind es noch gut 20 km, das sollte heute noch zu schaffen sein.

Was bei dem wolkenfreien Himmel kaum zu glauben ist, bewahrheitet sich nun: die vom Wetterbericht avisierten Wolken ballen sich bedrohlich zusammen. Sowjetzki sieht genau so aus, wie es heißt. Hier hat man allem Anschein nach zu Sowjetzeiten eine Plattenbausiedlung in den Wald gebaut, an der nun der Zahn der Zeit kräftig nagt. Wider Erwarten ist unser Hotel prächtig und das beste, das wir in Russland erleben. Im Restaurant bekommen wir ein erstklassiges Gericht à la carte und auch das Frühstücksbuffet am nächsten Morgen lässt keine Wünsche offen.

Ein grau verhangener Himmel begleitet uns entlang der Ostseeküste. Die Straßen weisen eine Restnässe auf, die belegt, dass es vor nicht allzu langer Zeit hier noch ungemütlicher gewesen sein muss. Die Straßen sind gut asphaltiert, wenig befahren, aber die Bahnübergänge sind eine Katastrophe!

Den Abstecher nach Kronstadt (Кронштадт) können wir uns abschminken! Nur die rasant befahrene Autobahn führt über einen langen Damm auf die Insel, wo Autokolonnen lange Wasserfahnen hinter sich her ziehen.

Unfreundlich empfängt uns St. Petersburg (Санкт-Петербург). Von oben und unten ist es nass und der Straßenverkehr ist mörderisch. So sind wir froh, als wir auf die Uferpromenade der Newa flüchten können, wo wir vor den Autos sicher sind. Langsam nähern wir uns dem, was Petersburgs Ruf ausmacht. Zuerst rückt die Peter-und-Paul-Festung in unseren Blick und dann fällt ein verirrter Sonnenstrahl durch eine Lücke des schwergrauen Himmels auf das goldene Dach der Eremitage. Peterhof (Петерго́ф), das Versailles des Nordens, kann das noch toppen. Unter einem strahlend blauen Himmel wirken die goldüberladen Kuppeln der Schlosskirche schon fast kitschig.

Nach Lomonossow (Ломоносов) wird es dann schnell ländlich und ruhig. Denn was noch zu sowjetischen Zeiten mitten im „Reich“ lag ist nun Grenzgebiet. Kleine landwirtschaftliche Örtchen mit Holzhäusern prägen das Bild. Stände mit dem örtlichen Obst- und Gemüseangebot locken vor jedem zweiten Haus die vorbeibrausende Kundschaft. Plötzlich kreischen Bagger neben uns. Eine große neue Brücke führt über ein weitverzweigtes Gleisnetz. Hier wurde 2001 mit dem Ausbau des Fähr- und Exporthafen Ust-Luga (Усть-Луга) begonnen, der bis 2012 das neue Tor zur Welt für russische Rohstoffe werden soll.

Die Globalisierung und nicht nur die Freiheit des Marktes ist augenscheinlich in Russland angekommen. Die Regale der Supermärkte quellen genauso über wie bei uns. Alle internationalen Lebensmittelmarken sind nun auch hier zuhause, obwohl sie sich mit kyrillischen Buchstaben tarnen. Nagelneue orthodoxe Kirchen mit vergoldeten Dächern stehen neben sozialistischen Wohnblöcken und versinnbildlichen das Spannungsfeld der neuen Zeit.

In Reiseführern lasen wir, dass die Registrierung des Visums extrem wichtig ist, deshalb wollte man uns diese Leistung in jedem Hotel verkaufen. Da alle Reiseführer nur von einer einmaligen Registrierung sprachen, haben wir auch allen anderen Versuchen standhaft widersprochen. Zu unserer Überraschung will an der Grenze keiner unsere Registrierung sehen. Wir bekommen die Stempel in den Pass geknallt, stehen gleich darauf in Estland und haben damit den Boden der Europäischen Union wieder erreicht.

Das bedeutendste Bauwerk Narvas ist die Hermannsfeste (Hermanni linnus), die wir schon 10 km vor Erreichen der Grenze sehen konnten. Nun schlendern wir über das Festungsgelände, wo ein in der Ecke stehender Lenin seinen Arm in Richtung Russland hebt. Dort erblickt man am anderen Ufer des Grenzflusses Narva die beeindruckende russische Festung Iwangorod (Ивангород) aus der Zeit Iwans III. die bisher unseren Blicken verborgen blieb.

Der östliche Teil Estlands ist sehr russisch geprägt. Hier sind noch an die 90 Prozent der Bevölkerung russisch. Die Lebensmittel sind alle auch russisch beschriftet und man ist der estnischen, wie auch der englischen Sprache nicht so richtig mächtig. Hier spricht man Russisch – nur wir nicht, auf jeden Fall nicht richtig. Bei Estnisch können wir gleich kapitulieren. Vierzehn Fälle hat diese Sprache. Außer ein paar einzelnen Worten bekommen wir da nichts hin. So ist die Verständigung ein russisch-englisches Sprachgemisch garniert mit einzelnen estnischen Worten.

Die Fahrt entlang der Küste könnte fantastisch sein. Schmale Sträßchen, nur moderate Steigungen – wäre da nicht der brutale Gegenwind, der uns drei Tage lang jeden Meter erkämpfen lässt. Das diesig graue Wetter tut sein Übriges. Die Route ist recht einsam und Versorgungseinrichtungen sind selten.

Als wir Tallinn erreichen, klart der Himmel wieder auf. Bei bestem Fotowetter können wir zwei Tage lang die wunderschöne Hauptstadt Estlands durchstreifen. Die beeindruckende hanseatische Altstadt mit ihrem mittelalterlichen Flair zieht uns schnell in ihren Bann.